Juni 2026
Abschied vom männlichen Prinzip - hin zu «care» [Zukunftsgespräche 1/4]
Wie gelingt es uns, in eine Zukunft zu gehen, in der Natur, Klima, Menschen in ein Gleichgewicht kommen, welche Veränderungen brauchen wir? Ziemlich radikale, sagt Christoph Keller, Autor von «Nennt mich Wellenkamm», einem Roman, der in eine bessere Zukunft schaut und zugleich zurückblickt auf unsere Zeit. Rückblickend werden es viele nicht mehr verstehen, dass es einst eine maskulin dominierte, extraktivistische, ausbeuterische Wirtschaft gab, in der es üblich war, Erdöl zu fördern, nur um es zu verbrennen, in der eine brutale Konkurrenz herrschte, ungeachtet der Kosten, die sie verursachte. «Nennt mich Wellenkamm» skizziert eine Gesellschaft von morgen, in der Gendergerechtigkeit, das Prinzip «care» und ein fundamentaler Respekt vor der Natur die Basis sind für eine klimafreundliche Existenz.
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Die Hintergrundinformationen zur Episode
Wie kann ein Roman die Zukunft vorwegnehmen, ohne sich in gewagte Thesen zu versteigen? Diesem Dilemma entkommt Christoph Keller in seinem Roman «Nennt mich Wellenkamm», indem er sieben Personen spekulative, aber gleichzeitig auch realistische Geschichten von der Zukunft erzählen lässt. Amiy, eine erfolgsverwöhnte Influencerin, hat mit ihren Shootings auf einem luxuriösen Kreuzfahrtdampfer noch gar nicht richtig angefangen, als sie, leicht angetrunken, auf die Reling klettert und in den Ozean fällt. In höchster Not wird die Schiffbrüchige von einem Segelboot gerettet, auf dem sich sieben Reisende jeden Abend Geschichten aus der Zukunft erzählen. Amiy verwandelt sich in »Wellenkamm« und taucht ab in diese Geschichten, in eine Welt, die den Klimakollaps im letzten Moment abgewendet und sich neu erfunden hat: Erdölraffinerien sind zu Industriemuseen geworden, Hochhäuser in hängende Gärten verwandelt, Superyachten werden zu Wohnungen und Werkstätten umgebaut, die Geschlechtergerechtigkeit ist endlich hergestellt, in Mali ergrünt die Savanne und im Pazifik werden die von Hurrikans zerstörten Inseln zu neuem Leben erweckt. In dieser künftigen Welt ist zwar nicht alles perfekt, aber das Gröbste scheint überwunden.