August 2026
Wünschenswerte Zukünfte – immer weiter geradeaus? [Zukunfstgespräche 3/3]
Oder doch lieber eine andere Zukuft? Ein Gespräch über Richtungen.
Obwohl wird doch angeblich "im Moment leben" sollen, machen wir uns unweigerlich Gedanken über die Zukunft, sei das in Form von Utopien oder Dystopien. Aber war das schon immer so? Und welche Wirkungsmacht haben Zukunftserzählungen im hier und jetzt? In dieser Folge spricht Lilla Gurtner mit Alexandra Vlachos übers über-die-Zukunft-Sprechen und Nachdenken, über lineare, zirkuläre und spiralförmige Zukunfts-Vorstellungen und darüber, warum sie den Kurs "desirable future", also "wünschenswerte Zukünfte" so gern mit Masterstudierenden macht. Alexandra Vlachos ist Historikerin und forscht und lehrt am Centre for Development and Environment an der Universität Bern.
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Die Hintergrundinformationen zur Episode
Wir leben in einer Zeit, in der die Zukuft vor allem eines sein soll: besser. Mehr. Schneller. Und wenn man zurück schaut, dann hat die Zukunft dieses Versprechen auch gehalten. Waren sind schneller verfügbar, mehr Menschen haben, global gesehen, Zugang zu besseren Dingen, auch wenn genau das eben diese Zukunft untergräbt. Frühere Kulturen haben aber anders über Zukunft erzählt, z.B. die alten Ägypter, die 3000 Jahre lang (!) verhältnissmässig stabil gelebt und über die Zukunft in Kreisläufen, im Wiederkehrenden erzählt. Alexandra Vlachos sagt, allgemein seien Zukünfte früher zyklisch gedacht worden und die eigene Zukunft sei sehr viel schicksalshafter gewesen. Dem gegenüber denken wir in der Moderne über die Zukunft als "alles ist Möglich", sicher wird alles anders als in der Vergangenheit, und die Zukunft ist offener und auch noch gestaltbar durch uns selbst. Auf der anderen Seite sei die Vorstellung von Zukunft auch düsterer geworden in Zeiten des Klimwandels. Es bestehe im Moment eine Uneinigkeit darüber, welche Zukunft wir als Gesellschaft unterstützen wollen und können.
Neben ihrer Forschung zu indigenen Weltbildern unterrichtet sie Studierende des Studiengangs "sustainability transformations, unter anderem in einem Kurs "desirable futures", also wünschenswerte Zukünfte. In diesem Kurs können sich angehende change-makers neben all den düsteren Zukunftsprognosen und Polykrisen, denen sie sonst im Studiengang begegnen, entwickeln, welche Zukunft sie wünschens- und lebenswert finden. Natürlich mit dem Ziel, diese auch umzusetzen, aber auch, um sich die eigene Zukunftserzählung nicht nur von den grossen Firmen und Politikern servieren zu lassen. Denn wenn wir uns keine Alternative zum Bestehenden vorstellen können, dann können wir nur auf das Bestehende zurückfallen. Visionen denkbar machen, das sei ein Schlüssel um gemeinsam Transformationen anzustossen.